VEREINSGESCHICHTE
Autorin: Elfie Steckel
1990
Gründung des Fördervereins
Gründungs-Vorstand des Fördervereins Stadtmuseum im Dezember 1990. Hintere Reihe v.l.n.r.: Winfried Graw, Werner Kratz, Fritz Clees, Kerstin Mokhtari, Hans-Georg Schatz Vordere Reihe v.l.n.r.: Hans-Jochen Knöll, Theo Schmies, Anne Lipfert, Hans LitterscheidAm 11. Dezember 1990 wird es mit dem Eintrag ins Vereinsregister bei Gericht amtlich, einen Tag später gibt es eine Pressekonferenz im Rathaus, und wiederum einen Tag später kann es jeder Langenfelder in den Zeitungen lesen: Ein „illustrer Kreis“ von bekannten und „hochkarätigen Bürgern“ – so steht da – hat einen Förderverein für ein Museum ins Leben gerufen. Sein Zweck soll die Unterstützung, ideell und materiell, eines neu zu gründenden Stadtmuseums sein. „Wir verstehen uns als Sprachrohr für ein Heimatmuseum und wollen diesen Gedanken in die Köpfe der Langenfelder tragen“, so wird Theo Schmies, damaliger Vorstand der ara-Schuhfabrik und frischgebackener Vereinsvorsitzender, zitiert.
Dieser „illustre Kreis“ besteht – neben Schmies – aus dem früheren Bürgermeister und Ehrenbürger Hans Litterscheid, dem Sparkassendirektor Werner Kratz, dem Ratsmitglied, Heimatforscher und Bauunternehmer Fritz Clees, dem Inhaber eines Fotogeschäftes und Vorsitzenden der Werbegemeinschaft Hans-Georg Schatz, dem Stadtkämmerer Winfried Graw, dem städtischen Beigeordneten Hans-Joachim Knöll, der Stadtarchivarin Anne Lipfert und schließlich der städtischen Angestellten Kerstin Mokhtari als Schriftführerin.
Wie Geschäftsführerin Anne Lipfert bei der ersten Pressekonferenz nach der Gründung berichtet, gebe es schon einen stattlichen Fundus, der allerdings in dunklen Kellern, großteils unter dem Gymnasium, seinen Dornröschenschlaf hält. Die Rede ist vom Schalenschneiderkotten (die Inventarliste liegt schon 1989 vor, als erste Überlegungen zu einem Museum Gestalt annehmen), von einer alten Apotheke und einem alten Klassenzimmer, von Webstühlen, aber auch von antiken Funden auf Langenfelder Stadtgebiet, Unterlagen über die Postgeschichte, einer Schmetterlingssammlung und vielem mehr. Es sollte aber nicht nur um die Präsentation dieser Schätzchen gehen, sondern auch um organisierte Reisen zu anderen Museen, um Ausstellungen, Vorträge und Fachseminare. Einen Ort für das Museum hatten sich die Gründer auch schon ausgesucht: das Freiherr-vom-Stein-Haus, das ursprünglich im Jahre 1909 als Rektoratsschule erbaut wurde. Aktuell ist es eine Notunterkunft für Flüchtlinge.
1991
Fördermittel und Vereins-Logo
Die erste Mitgliederversammlung findet am 20. Februar 1991 statt, und da gibt es (nach gut zwei Monaten!) schon 77 Mitglieder. Etliche Firmen haben Spenden angekündigt, und überall gelobt wird der bürgerschaftliche Einsatz, der alles andere als üblich ist. Bei dieser Versammlung berichtet Schatzmeister Graw über einen Kontostand von 3.993,20 Mark plus einer angekündigten Unterstützung der Stadt von 3.000 Mark, was viel Geld für das damals schuldengeplagte Langenfeld ist. Es gibt aber auch schon Ausgaben für den Vereinsneuling: 28,50 Mark für den Notar. Doch das ist ja zu verschmerzen.
Es hat auch nicht lange gedauert, bis die hauptamtliche Stadtarchivarin (und ehrenamtliche Geschäftsführerin des Vereins) Anne Lipfert das Vereinslogo präsentiert. Es ist ein stilisiertes M (für Museum) und ein Rad als Zeichen des Weiterkommens und des Förderns, auch als Symbol für die Postkutsche, deren Geschichte ja eng mit der Langenfelder Historie verknüpft ist.
Im Juni 1991 klingelt die Vereinskasse unerwartet heftig. Die beiden Sparkassendirektoren Werner Kratz (ein Gründungsmitglied) und sein Kollege Günter Stein gehen gemeinsam in den Ruhestand, nachdem sie 50 Jahre ebenfalls gemeinsam und erfolgreich in der Sparkasse gearbeitet haben. In der Stadthalle gibt es einen großen Empfang, zu dem so ziemlich alles erscheint, was im Städtchen Rang und Namen hat, dazu etliche Ehrengäste aus Nah und Fern. Die beiden Ex-Direktoren haben anstelle von Geschenken um eine Geldspende für das künftige Stadtmuseum gebeten. Als Kassensturz gemacht wird, sind nicht nur die beiden Neu-Rentner mehr als erfreut: 22.185 Mark sind gespendet worden!
Schon zu dieser Anfangszeit finden sich in den Protokollen Hinweise auf Ausflüge, zum Beispiel nach Brauweiler und in benachbarte Museen, aber auch auf Vorträge, die zum Teil von Mitgliedern gehalten werden, so über die Geschichte des Geldes oder über den Richrather Pfarrer Hermann Ludovici, der in seiner Amtszeit Ende des 18. Jahrhunderts penibel die lokalen, aber auch die überregionalen Ereignisse beschrieben hatte.
1992
Programm-Museum Langenfeld
Mitglieder des Fördervereins Stadtmuseum bei der Besichtigung der Abtei Brauweiler am 27.05.1992.Blättert man in den Protokollen des Vorstands und in den im Stadtarchiv abgehefteten Zeitungsausschnitten, so stößt man seit dem Frühjahr 1992 auf Hinweise auf mehr oder weniger lebhafte Debatten der Kulturpolitiker über die Gestaltung des künftigen Museums, genauso intensiv aber auch über die Finanzierung, die Folgekosten, die Ausgaben für die dringend erforderliche Renovierung des historischen Gebäudes, die allein auf eine Million Mark geschätzt wird. Genauso gut gibt es aber auch Lob für die Anstrengungen, beispielsweise von Seiten des Rheinischen Landesmuseums.
Seit dieser Zeit werden Werbebriefe zur Unterstützung des „Programm-Museums Langenfeld“, wie es auch einmal genannt wird, an Firmen und an Schulen verschickt. Auch der Bürgermeister persönlich schaltet sich in diese Werbeaktion ein.
In der Mitgliederversammlung im Frühjahr wird Ehrenbürger Heinrich Völkel in den Vorstand gewählt. Der SPD-Politiker Völkel war langjähriger Stellvertreter von Bürgermeister Hans Litterscheid und wurde als Zweiter nach Litterscheid mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet. Als neues Mitglied im Verein wird die frischgebackene Kulturdezernentin Dr. Christine Winkler aufgenommen. In der gleichen Versammlung ist schon von einem Vereinsvermögen von rund 150.000 Mark die Rede – zusammengetragen durch unterschiedlichste Spenden- und Sammelaktionen.
Innenansicht des sanierungsbedürftigen Freiherr-vom-Stein-HausesEin Ereignis am Rande: Die Stadt Remscheid wollte sich von einem „Erbstück“ trennen, einem alten Straßenbahnwagen, wie er bis 1955 auch über Langenfelds Hauptstraßenzug ratterte. Es wäre doch schön, wenn dieses „antike“ Stück in der Nähe des Museums stehen könnte, wurde besonders von einem eloquenten Kommunalpolitiker immer gewünscht – so lange, bis das Gefährt endlich von Remscheid nach Langenfeld bugsiert und probeweise sowie zu Reparaturzwecken auf dem Gelände der Stadtwerke aufgestellt wird. Bei näherer Besichtigung ist aber schnell klar, dass das Gefährt – gelinde ausgedrückt – die besten Zeiten hinter sich hat. Was nun damit geschehen soll, ist die große Frage. Ein anwesender Zeitungsreporter ruft es in die Versammlung des Begrüßungskomitees: „Verschrotten!“ So geschieht es denn auch.
1993
Diskussionen und Spenden
Aus diesem Jahr gibt es den vorhandenen Aufzeichnungen und Unterlagen nach nicht viele Neuigkeiten. Die Politiker diskutieren immer noch,die Bürger spenden, die Mitglieder sind aktiv mit einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt...
In der Schalterhalle der Stadt-Sparkasse wird eine Ausstellung über Weihnachtsgeschenke aus früheren Zeiten gezeigt, zusammengestellt aus den Sammlungsstücken des Stadtarchivs.
1994
Grünes Licht für Umbau
Der Kulturausschuss tagt und gibt grünes Licht für den Umbau des Freiherr-vom Stein-Hauses und den Umzug des Stadtarchivs aus dem Rathauskeller in das „Haus der Begegnung“, wie es auch genannt wird. Wann tatsächlich umgezogen werden kann, ist noch ein großes Fragezeichen. Eine Überschrift in der Zeitung lautet „Hoffen auf Anfang 1995“. Diese Hoffnung sollte sich (noch lange) nicht erfüllen.
Auf dem Weihnachtsmarkt sind die Mitglieder wieder aktiv und bieten unter anderem Briefmarken mit Abbildungen historischer Postkutschen an.
1995
Keine Pinsellösung
Aufwändige Sanierungsarbeiten im und am Freiherr-vom-Stein-HausEin Pappmodell der Wasserburg Haus Graven wird im Rathaus präsentiert, während sich vom Freiherr-vom-Stein-Haus – entgegen der im Jahr zuvor ausgesprochenen „Hoffnung“ – negative Schlagzeilen in der Presse finden. Der Fußboden des Freiherr-vom-Stein-Hauses ist nach der jahrelangen Nutzung als Unterkunft für die Flüchtlinge des Balkankrieges so durchnässt, dass kaum eine Renovierung möglich erscheint und der Abriss droht, wie in den städtischen Ausschüssen mitgeteilt wird. Es sieht alles andere als rosig aus.
Auch die „Pinsellösung“, wie der Stadtkämmerer und Vereinsschatzmeister Graw die Idee einer geld- und zeitsparenden Renovierung immer wieder ins Gespräch gebracht hat, wird als illusorisch erkannt.
Der einzige Lichtblick: Die Mitglieder lassen sich auch dadurch nicht entmutigen, ihre Zahl ist inzwischen auf 150 angewachsen.
1996
Mangel an finanziellen Mitteln
Mitglieder des Fördervereins bei der Besichtigung des Königlichen Schlosses in der Partnerstadt Senlis.Bürgermeister Magnus Staehler stellt fest, dass „die Finanzen der Stadt zu klamm sind für ein solches Projekt“. Das heißt aber nicht, dass sich nichts mehr bewegt. Die Rheinländer geben bekanntlich nicht so klein bei. Da müssen eben alle die Ärmel hochkrempeln und Ideen entwickeln. Es bilden sich diverse Arbeitsgemeinschaften und Arbeitsgruppen, teilweise auch mit anderen Vereinen, die Bausteine verkaufen, Bilder oder Porzellan-Nachbildungen des Hauses auf Festen anbieten, sogar als Praline kann man das Freiherr-vom-Stein-Haus genießen...
Dazwischen finden sich auch immer wieder Berichte von Ausflügen. Die reichen vom Tagesausflug bis zu einem Wochenend-Trip in die französische Partnerstadt Senlis. Die Organisation dieser Touren liegt in den Anfangsjahren bei Dr. Hedwig Orthaus, die als Leiterin der Volkshochschule auch gerne Studienreisen anbietet.
1997
Fast 1.2 Millonen DM gespendet
Aktueller Spendenstand am 05.12.1997. In den Fenstern sind von links zu sehen: Bürgermeister Magnus Staehler, Marlies Lüth, Theo Schmies, Fritz Clees, Hans Litterscheid und Werner Kratz.Die Planungen werden konkreter: Die Kommunalpolitiker sprechen jetzt davon, dass das Museum zum 50. Stadtgeburtstag im Oktober des folgenden Jahres eingeweiht werden könnte. Schon in seiner Neujahrsansprache hat Bürgermeister Staehler die Bürger aufgefordert, die Aktion durch den Kauf von Bausteinen zu unterstützen. Die Spendenbereitschaft ist groß: Das RWE schickt für das „Forum der Begegnung“ (auch eine Namensvariante) eine glatte Million Mark (kein Schreibfehler).
Kurz darauf lässt der Verkehrs- und Verschönerungsverein 40.000 Mark auf das Konto des Vereins fließen... Und die Spenden setzen sich fort. Beispielsweise bittet der Vorsitzende des DGB-Ortskartells, Karl-Heinz Schulz, zu seinem 70. Geburtstag um Unterstützung für das Museum und trägt so 2.910 Mark bei, von der Stadt-Sparkasse kommen 20.000 Mark, zusammen mit der Stadt legt die SSK Spendentaler zum Stückpreis von 50 Mark auf – Schatzmeister Winfried Graw verkündet im Sommer nicht ohne Stolz, dass schon 1,155 Millionen Mark zusammengetragen wurden. Aber er erinnert im gleichen Atemzug auch an erste Ausgaben, wie beispielsweise die Anschaffung von Ausstellungsvitrinen für 200.000 Mark.
Präsentation der Umbaupläne des Freiherr-vom-Stein-Hauses. Auf dem Foto von links: Geschäftsführerin Anne Lipfert, Förderverein-Vorsitzender Theo Schmies, Architekt Bodo Neumann, Bürgermeister Magnus Staehler, Kulturdezernentin Dr. Christine Winkler und Architektin Christina MartinAus der Partnerstadt Senlis trifft schließlich noch ein Geschenk ein: der antike Torbogen, der im Foyer des Hauses seine neue Heimat findet. Dort befinden sich auch zwei Sponsorentafeln mit den Namen der Firmen und Privatleuten, die großzügig mindestens 10.000 Mark gespendet haben.
Die Kosten allein für die Renovierung des Gebäudes werden auf 1,5 Millionen Mark geschätzt. Dafür sollen hier auch rund 30 Vereine „ankern“ können, wie es in einem Sitzungsprotokoll heißt. Auch die Nutzungspläne konkretisieren sich immer mehr: Neben Wechselausstellungen sollen das Stadtarchiv und das „Zimmertheater“ hier untergebracht werden. Das Angebot soll breit gestreut sein von Filmvorführungen über Vorträge und Seniorentreffs bis zu Schülerprojekten und Lesungen bei Kerzenschein.
Im Kulturausschuss wird das Konzept vorgestellt, und alle Fraktionen sind mehr oder weniger begeistert, so dass sie schließlich dem Nutzungsvertrag zwischen Stadt und Förderverein zustimmen und ihn unterschreiben.
Der Verein erhält die Bauherrschaft für die Renovierung und den Ausbau des Gebäudes zu einem kulturellen Forum; das Gebäudemanagement der Stadtverwaltung erhält die Oberbauleitung. In der Folge wird ein Architektenvertrag geschlossen und Honorarermittlungen für andere fachliche Begleiter angestellt.
1998
Eröffnung des Hauses
Eröffnungsfeierlichkeiten des umgebauten Freiherr-vom-Stein-Hauses zum „Kulturellen Forum“. Vorstandvorsitzender Theo Schmies hält die Festrede.Das Jahr fängt ja gut an: Zu Bürgermeister Staehlers 40. Geburtstag gehen 12.775 Mark an Spenden ein, so dass die Gesamtsumme inzwischen genau 1.259.544 Mark beträgt. Das Interesse an dem Gebäude und dem Projekt allgemein wächst, es gibt zwei Baustellenführungen, und die Bauleitung stellt (auf einmal!?) eine „hervorragende Bausubstanz“ fest, die den Umbau erleichtern würde.
Am 23. August findet ein Trödelmarkt rund ums Haus statt mit einem Musikfrühschoppen, der viele Besucher anlockt. Gustl Taflinski, die Witwe des Malers Josef Taflinski, wird als 200. Mitglied begrüßt. Beim Trödelmarkt kommen übrigens 6.000 Mark zusammen, die sechs Schützenvereinigungen machen bei ihrer Tagung eine Hutsammlung mit dem stolzen Ergebnis von fast 8.000 Mark, und die Firma Paulzen stiftet zu ihrem 50-jährigen Jubiläum den Betrag von 5.000 Mark, so dass Vereins-Schatzmeister Winfried Graw wieder mal einen Strich ziehen und addieren kann. Er kommt auf 1.613.471 Mark, doch bis zum eigentlichen Festtag am 2. Oktober steigt die Summe weiter auf rund 1,7 Millionen an, die allein an bürgerschaftlichem Engagement für das Museum zusammengetragen wurden.
Zur Eröffnung des Hauses am 2. Oktober, dem 50. Stadtgeburtstag, gibt es einen Festakt mit Reden und Führungen im Haus, die Presseberichte überschlagen sich vor Superlativen, und die Mitglieder des Vereins, denen das gelungene Werk zu verdanken ist, sind am Abend zu einem Buffet eingeladen.


Mit dem Museum wird zeitgleich auch ein Bistro im Eingangsbereich eröffnet, das Inge Grünheid führt. Sie ist langjähriges Mitglied, leidenschaftliche Hobbyköchin und hat sich noch etliche Anregungen in Kursen von Fernsehkoch Alfons Schuhbeck geholt.
Eingangsbereich des Kulturellen Forums mit Bistro und Informationstheke im Dezember 1998.Das Bistro gehört allerdings weder zum Museum noch zum Förderverein, Grünheid arbeitet selbstständig. Im Laufe der Jahre gibt es einige interne Unstimmigkeiten, auch weil das Museum eigentlich nicht auf gastronomische Bedürfnisse eingestellt ist. Von den Besuchern des Museums aber wird es gut angenommen, auch von Geschäftsleuten und Kunden der „Alten Mitte“. Die Situation ändert sich, als beispielsweise die Markthalle und andere Läden in Richtung Rathaus entstehen. Schließlich wird der Betrieb nach etwa fünf Jahren wieder eingestellt, was von vielen Besuchern des Hauses bedauert wird. Die Küche und die erforderliche Ausstattung, die weitgehend von einschlägigen Geschäften aus der Stadt gespendet worden waren, bleiben im Museum.
Das Jahr klingt aus mit einem Weihnachtsmarkt, auf dem besonders Bücher, Dekorationen aus dem Erzgebirge und Trödel angeboten werden.
1999
Eröffnung Dauerausstellung
Blick in die Dauerausstellung im Kulturellen Forum. Zu sehen ist eine Inszenierung, die die Atmosphäre eines Anstaltszimmers spiegelt.Der Verkehrs- und Verschönerungsverein bringt eine Tafel als historisches Gebäude am Haus an. Intern geht es weiter mit Rechnungen der unterschiedlichsten Firmen, die am Umbau und an der Ausstattung beteiligt waren (eine genaue Auflistung ist im Stadtarchiv zu finden). Passend zur Jahreszeit gibt es eine Ausstellung über „Osterbräuche hier und anderswo“.
In der Jahreshauptversammlung am 1. Mai gibt Gründungsvorsitzender Theo Schmies nach 10 Jahren den Vorsitz ab; er hatte immer seinen 70. Geburtstag als Wendepunkt angegeben. Seine Nachfolgerin wird Marlies Lüth, die in der Stadt bekannt ist als langjährige stellvertretende Bürgermeisterin. Alle anderen Ämter bleiben unverändert. In der Versammlung wird berichtet von 10.000 Besuchern im abgelaufenen Jahr und von einer erfreulichen Mitgliederzahl von 237, von denen 38 ehrenamtlich im Hause tätig sind.
Apropos Ehrenamtliche: Ihnen kommt im neuen Museum eine nicht zu unterschätzende Rolle zu, und für ihren Einsatz auf den unterschiedlichsten Gebieten wird ihnen nicht nur von Chefin Anne Lipfert immer wieder gedankt, sparen sie der Stadt doch erhebliche Summen, die für angestellte Mitarbeiter bezahlt werden müssten. Dieses „Langenfelder Modell“ spricht sich herum, und auch aus anderen Museen im Land kommen die Direktoren, um sich ein Bild zu machen von der Arbeitsweise in Langenfeld. Einer dieser Ehrenamtlichen ist neuerdings Reinmar Wilke, der die Reisen für die Mitglieder organisieren möchte.
In der Dauerausstellung findet sich auch eine sehenswerte Abteilung Früh- und Vorgeschichte.Am 14. August wird im Obergeschoss die viel bewunderte stadtgeschichtliche Dauerausstellung eröffnet. In seiner Rede stellt Bürgermeister Magnus Staehler fest, „dass die Stadt reicher an Geschichte ist als man gemeinhin denkt“.
Der Schatzmeister hat übrigens ein Problem: Es fehlen noch 80.000 Mark für den Innenausbau. In seiner Eigenschaft als Stadtkämmerer hat er auf beiden Schultern zu tragen und infolgedessen noch ein Problem: Am 30. November stellt er im Stadtrat fest, dass die Sanierung des Hauses fast doppelt so teuer war wie geplant, nämlich 2,93 Millionen. Den „Rest“ muss nun die Stadt wohl oder übel aus Steuermitteln drauflegen.
2000
30.000 Besucher
Auch ein Job für ehrenamtliche Helfer: Bärbel Kutscher (l.) und Anita Wiehl (r.) bei Verträgen und Abrechnungen für den Förderverein.Die Barlach-Ausstellung wird am 23. Januar eröffnet. Endlich, könnte man sagen. Sie sollte nach dem Wunsch der Kulturdezernentin Dr. Christine Winkler schon zur Eröffnung des Hauses stattfinden. Die Leitung des Museums bevorzugte aber lokale Künstler zu diesem Anlass. So gibt es als Kompromiss die Ausstellung mit einigem Verzug.
Der Lydton-Club, einer der im Haus ansässigen Vereine, stellt seinen vielbeachteten Film über den Umbau des historischen Gebäudes vor.
In der Hauptversammlung berichtet Geschäftsführerin Anne Graw-Lipfert von über 30.000 Besuchern im Haus. Vorgestellt wird auch die Idee, den Garten des Hauses nach französischem Muster anzulegen. Es gibt auch Ergänzungswahlen zum Vorstand: Für den Beisitzer Hans Litterscheid, der aus Altersgründen zurücktritt, rückt Bärbel Kutscher nach, und für den verstorbenen Werner Kratz wird Günter Heinrichs gewählt.
Bei der Vermietung der Räume und dem gesamten Rechnungswesen will Anita Wiehl ab sofort Bärbel Kutscher unterstützen. Mitglied Manfred Stuckmann erklärt abschließend, dass er gerne einen Mundart-Stammtisch einrichten möchte.
Im Oktober wird die Broschüre „In Langenfeld geht die Post ab“ vorgestellt, in der die Heimathistorikerin Annelies Rejek die Postgeschichte beleuchtet.
2001
Französischer Garten
Der Garten wird nach französischem Vorbild angelegt.Wie viele Reisen und Besichtigungsfahrten im Laufe der Jahre unternommen wurden, lässt sich heute nicht mehr sagen. In 2001 geht es unter der Leitung von Wilke beispielsweise nach Dresden und in die Partnerstadt Senlis, nach Magdeburg und Polen. Angeboten und gerne gebucht werden auch Wanderungen zur Schwanenmühle oder anderen lokalen Orten mit historischer Bedeutung.
Der Kassenbestand, so Schatzmeister Graw, liegt bei 200.000 Mark. Das ist ebenso erfreulich wie der Einsatz der Ehrenamtler bei der Gestaltung des Programms und zu den Öffnungszeiten, was wieder einmal in der Jahreshauptversammlung gelobt wird. Ein besonderer Dank geht an Annelies Rejek für ihr Schulprogramm und ihre lokalen Führungen.
Der Französische Garten schlägt mit 100.000 Mark zu Buche. An seinem Rand entsteht die Remise für die historische Postkutsche des Vereins der Kutschen- und Fahrsportfreunde. Das Bistro im Foyer, das weiterhin von Inge Grünheid und später kurzfristig von einer Nachfolgerin im Hause betrieben wird, erfreut sich zu diesem Zeitpunkt noch allgemeiner Beliebtheit.
2002
Erfolgreich und engagiert
Der Vorstand des Fördervereins aus dem Jahre 2002, v. l.: Hans-Gerd Schatz, Fritz Clees, Theo Schmies, Anne Graw- Lipfert, Winfried Graw, Günter Heinrichs, Marlies Lüth, Bärbel KutscherIn der Jahreshauptversammlung berichtet die Vorsitzende Lüth von 60 Ehrenamtlichen, die sich inzwischen für das Museum engagieren, und von 18.000 Besuchern, die schon 190 Veranstaltungen besucht haben. Ein besonderes Lob zollt sie Inge Grünheid und ihrer Gastronomie.
Marlies Lüth wird als Vorsitzende wiedergewählt. Gründungsmitglied Hans-Georg Schatz scheidet aus. Im Vorstand verbleiben Winfried und Anne Graw, Theo Schmies, Günter Heinrichs und Barbara Kutscher. Neu gewählt werden Christa Kaffsack und Reinmar Wilke.
Gründungsmitglied Fritz Clees ist am 12. Juni verstorben.
2003
Verein wird ausgezeichnet
Aktive Mitglieder des Fördervereins vor dem Senliser Torbogen im Eingangsfoyer des Kulturellen Forums. Frau Graw-Lipfert zeigt ein als Dienstkleidung entworfenes T-Shirt mit dem Text „Wir sind für Sie da“ und einem Gruppenfoto von den Ehrenamtlern, die Thekendienste leistenEin paar Zahlen aus dem Jahresbericht des Schatzmeisters: Das Vereinsvermögen beträgt 121.000 Euro (Achtung, seit 1.1.2002 gilt die neue Währung!), es gibt 308 Mitglieder, davon 58 Ehrenamtler, 18.915 Besucher, 8 Ausstellungen, 312 sonstige Veranstaltungen und 34 Hochzeiten. Dazu kommen über 2.000 Teilnehmer an museumspädagogischen Veranstaltungen und Dutzende Teilnehmer an den Reisen und Ausflügen.
Der Förderverein Stadtmuseum Langenfeld gehört in die Reihe der „ausgezeichneten Zukunftsprojekte in NRW“ und wird von der Landesregierung entsprechend gewürdigt, im gleichen Atemzug mit dem Naturzoo Rheine, dem Essener Sportbund und anderen Anbietern.
2004
Langenfelder Geschichte(n)
Das Buch „Verzällchentour“ ist bis heute bei den Langenfeldern gefragt.Die Mitgliederzahl ist leicht gestiegen auf 311, 406 Veranstaltungen werden angeboten, 17.066 Besucher kommen und 41 Paare geben sich im Trauzimmer das Ja-Wort. Als besonderes Bonbon erscheint im Oktober das Büchlein „Verzällchentour durch Langenfeld“, in dem Manfred Stuckmanns Dönekes während seiner beliebten Stadtführungen von Elfie Steckel aufgeschrieben und von Leo Müller-Gladen illustriert sind. Die aktuellen Fotos kommen von Guido Boes (einem späteren Schatzmeister des Vereins), die alten steuert das Stadtarchiv bei. Der Erlös fließt – wie auch bei den Spaziergängen – natürlich dem Museumsverein zu.
Diese Verzällchentouren gibt es übrigens fast genauso lange wie den Museumsverein, und nach fast 30 Jahren (2019) geht auch ein Kamerateam mit auf eine solche Tour. Als DVD wird der Film später im Museum und im Buchhandel verkauft.
2005
Der gestiftete Konzertflügel
Margaretha Waßmer ist stellvertretende Referatsleiterin des Kulturellen Forums.In den Zeitungsberichten findet sich der Hinweis, dass die Gutenberg-Realschule einen Zimmerflügel aus dem Jahre 1912 für das „Kulturelle Forum“ gestiftet habe, in Unterlagen des Archivs ist von „Kostenvoranschlägen für den Konzertflügel“ die Rede. Es werden auch verschiedene Reparaturangebote verglichen. Die Entscheidung fällt erst zwei Jahre später. In der Mitgliederversammlung spielt auch dieser Flügel und die mit ihm verbundenen Kosten eine Rolle.
Vorsitzende Marlies Lüth nimmt Gratulationen zu ihrem 70. Geburtstag entgegen, sie ihrerseits unterstreicht erneut den enormen Einsatz der Ehrenamtler, die die durchgehende Öffnung garantieren – sogar trotz des gesundheitsbedingten, gleichzeitigen „Ausfalls“ von Museums- und Archivleiterin Anne Graw-Lipfert und ihrer Stellvertreterin Margarethe Waßmer-Endres. Von den inzwischen 323 Mitgliedern sind 60 als Ehrenamtler im Einsatz, und das sage und schreibe über 6.137 Stunden im Jahr. Noch ein paar Stichworte: 39 Trauungen, acht historische Spaziergänge, und die Frühjahrsbepflanzung des Volksgartens mit acht Floristen.
Im französischen Garten (Broderie-Garten) hinter dem Freiherr-vom-Stein-Haus feiern die Vereinsmitglieder ihr Sommerfest.
2006
Keine Zukunft ohne Geschichte
Die angebotenen Reisen des Fördervereins werden gerne gebucht. Hier posiert eine Reisegruppe vor dem Reichstag in Berlin am 31.03.2006.Langenfeld – Bewegendes findet sich nicht über dieses Jahr, was den Verein betrifft – bis auf eine Ausnahme: Am 22. Oktober wird Alt-Bürgermeister Hans Litterscheid zum Ehrenmitglied ernannt, eine Ehrung, die bislang noch keinem zuteilwurde. In seiner Dankesrede sagt er: „Ohne Geschichte gibt es auch keine Zukunft“. Geschäftsführerin Anne Graw-Lipfert, die sein Wirken seit der Gründung des Vereins lobt, erinnert an die 54 Sonderausstellungen mit Werken namhafter Künstler, die im Laufe der Jahre schon stattfanden. In den eher heiteren Teil der Veranstaltung soll der fast 85-jährige Litterscheid übergeleitet haben mit den Worten „Ich bin ja auch fast schon ein Museumsstück“.
Kurz vor Weihnachten hat der Stadtrat auf Anregung von Bürgermeister Magnus Staehler den Wiederaufbau des Wiescheider Schalenschneiderkottens im Volksgarten beschlossen.
2007
Baubeginn Schalenschneiderkotten
Der erste Spatenstich am 29.08.2007 zum Wiederaufbau des Wiescheiders Schalenschneiderkottens mit Guido Boes (Projektleiter), Anne Graw-Lipfert, Bürgermeister Magnus Staehler und Baurat Hans-Otto Weber.Da ist wieder vom Steinway-Flügel die Rede (siehe 2005, da wird er allerdings „Zimmerflügel“ genannt), dessen Restaurierung 20.000 Euro kostet. Er erhält einen festen Platz im Theatersaal des Freiherr-vom-Stein-Hauses. Weitere Ausgaben sind fällig, so für eine neue Beleuchtung im Garten, eine bessere Beschallungsanlage im Haus und nicht zu vergessen gewaltige Vorbereitungen für den Aufbau des Schalenschneiderkottens im Volksgarten.
Der Wiederaufbau dieses „einzigartigen Industriedenkmals“ – so die Fachleute vom Amt für Landeskunde in Bonn – und überhaupt seine Erhaltung ist dem früheren stellvertretenden Bürgermeister Fritz Clees, auch Gründungsmitglied des Fördervereins, zu verdanken, der nicht nachließ, den Stadtrat vom Wert des Wiescheider Kleinods zu überzeugen. Sein Wiederaufbau und besonders der Standort im Volksgarten (weit ab von Wiescheid) waren mehr als umstritten, doch schließlich stimmt die Mehrheit dafür. In einem Gemeinschaftsprojekt (mit sechsstelliger Summe) zwischen der Stadt, dem Förderverein Stadtmuseum Langenfeld und einigen privaten Unternehmern wird die historische Werkstatt teilrekonstruiert.
2008
Eröffnung Schalenschneiderkotten
Feierliche Eröffnung des Wiescheiders Schalenschneiderkottens am 12.08.2008Es ist Zeit für große Feste: Die Stadt wird 60 Jahre alt, das Museum zehn Jahre jung, und der Schalenschneiderkotten erblickt als Kind des Fördervereins das Langenfelder Licht! Den Auftakt macht am 26. Juni der Museumsgeburtstag rund ums Haus, an dem viele der inzwischen 345 Mitglieder teilnehmen. In den Reden beim Festakt werden sie alle und besonders die Ehrenamtler unter ihnen wieder gelobt, weil ohne sie das vielfältige Programm mit Konzerten, Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen, Straßenfesten und die inzwischen schon 60 Ausstellungen überhaupt nicht möglich gewesen wären. Vertreten waren Werke von Weltrang, beispielsweise Barlach, Dürer, Grass, Hundertwasser, Miro, Spitzweg, Dalì…
Innenansicht des SchalenschneiderkottensMitte August zieht es rund 250 geladene Gäste und interessierte Mitbürger in den Volksgarten: Die endlosen politischen Streitigkeiten sind vergessen, die Einweihung des Kottens wird gefeiert – bei Spanferkel, „Kottenbotter“ und Bier vom Fass. Der Langenfelder Unternehmer Guido Boes (Mitglied des Museumsvereins und wenig später auch Schatzmeister) hat ehrenamtlich mit seiner Firma die gesamte Projektplanung und Bauleitung für den Wiederaufbau übernommen. Der Förderverein beteiligt sich finanziell und mit ehrenamtlicher Arbeit an der Rekonstruktion. Nach dem Aufbau der Glashülle und der Teilrekonstruktion des Werkstattgebäudes können die im Museumsdepot eingelagerten Maschinen und Werkzeuge in das Glashaus überführt werden. Unter der Leitung von Wolfgang Jumpertz und der Mithilfe von Walter Farin wird die Werkstatt nach den Originalplänen wieder eingerichtet und behutsam restauriert. Mit dem Wiederaufbau des alten Schalenschneiderkottens ist es gelungen, ein wichtiges technisches Denkmal unserer Stadt zu erhalten und es öffentlich zugänglich zu machen. Der Förderverein Stadtmuseum übernimmt ehrenamtlich den Betrieb und die Trägerschaft des Kottens und bietet monatlich für Interessierte jeden Alters Führungen an.
Am 3. Oktober folgt auch das dritte Fest des Jahres: 60. Stadtgeburtstag! Daran ist allerdings der Förderverein nur als Gast beteiligt.
Und noch etwas aus dem Jahr 2008: Eine Hutmacherwerkstatt aus dem Ortsteil Berghausen wird gesichert und im Bestand verzeichnet.
2009
Stadtmuseum und Wasserburg
Vorsitzender Manfred Stuckmann in seinem Element: Bei einer Verzällchentour im Sommer 2019, die in diesem Herbst (Corona-bedingt verspätet) als DVD vorgestellt und zu Gunsten des Fördervereins verkauft wird.Das abgelaufene Jahr war schon ereignisreich und turbulent, doch das Jahr 2009 hat auch noch dicke Überraschungen parat, obwohl alles erst ganz ruhig beginnt. In der Jahreshauptversammlung am 13. Mai legt Marlies Lüth nach zehn Jahren, in denen sich der Verein und seine Schätze weiterhin sehr gut entwickelten, den Vorsitz nieder. Ihr wird herzlich gedankt mit der Ernennung zum Ehrenmitglied. Im weiteren Verlauf der Versammlung wird ohne große Diskussion Christa Kaffsack, kulturpolitische Sprecherin der CDU im Rat der Stadt, zur neuen Vorsitzenden gewählt. Theo Schmies und Günter Heinrichs legen ihre Beisitzerämter nieder, so dass es Ergänzungswahlen gibt. Dem Vorstand gehören nun an Christa Kaffsack als Vorsitzende, Anne Graw-Lipfert als Geschäftsführerin, Winfried Graw als Schatzmeister, sowie als Beisitzer Manfred Stuckmann, Bärbel Kutscher, Elfie Steckel, Wolfgang Jumpertz und Reinmar Wilke.
In dieser Konstellation funktioniert der Verein zwei Monate lang – nur zwei Monate lang, um genau zu sein. Denn die Pläne, die im Rathaus zur Anmietung der in privatem Besitz befindlichen Wasserburg Haus Graven kursieren, lassen die Wogen hochschlagen. Anne Graw-Lipfert ist empört, als sie die geplante Nutzung für Haus Graven hört: „Die Konzepte zwischen unserem Haus und Haus Graven sind nahezu deckungsgleich“. Die Vorsitzende Christa Kaffsack hält ihr entgegen, dass zwei ähnlich gelagerte historische Einrichtungen in einer Stadt dieser Größenordnung durchaus nebeneinander existieren könnten. Die Meinungen – auch in der Bevölkerung – gehen auseinander. Viele Kulturinteressierte stört, dass die Wasserburg nur für zehn Jahre angemietet ist, dafür aber mit erheblichen Kosten in Betrieb gehen soll.
Das Fass im Fördervereinsvorstand läuft über, als bekannt wird, dass die eigene Vorsitzende Christa Kaffsack ausgerechnet auch noch in den Vorstand jenes umstrittenen Wasserburg-Vorstandes gewählt wurde. Am 15. Juli kommt es zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, in der Kaffsack abgewählt werden sollte. So weit lässt sie es aber erst gar nicht kommen: Sie erklärt nicht nur ihren Rücktritt vom Amt der Vorsitzenden, sondern tritt mit sofortiger Wirkung auch aus dem Förderverein Stadtmuseum aus.
Damit muss schon wieder ein neuer Vorsitzender gefunden werden; der sitzt aber schon seit zwei Monaten als Beisitzer da: Manfred Stuckmann wird einstimmig gewählt, der restliche Vorstand bleibt im jeweiligen Status.
Nach diesen Querelen wird ein Sommerfest im Senliser Garten gefeiert. Und in den Kotten ziehen Wilhelm Jacobs und sein Helfer als täuschend echt wirkende Figurinen ein.
Mit Organisator Reinmar Wilke reisen Mitglieder an den Bodensee und in die Bretagne... Nach den Aufregungen stellt sich langsam wieder der Alltag ein.
2010
Entwürfe neue Dauerausstellung
Entwurf des Designerteams für den Raum der Früh- und Vorgeschichte.Das neue Jahr ist nach den letzten Turbulenzen zwar nicht weniger anstrengend, aber weniger aufregend, eher sachlich. Schließlich geht es jetzt darum, eine neue Konzeption für die Dauerausstellung zu entwickeln, die das von der Stadt Langenfeld beauftragte Designertrio Desirée Astor, Ralph Gellwitzki und Susanne Wittelsbürger unter dem Titel „Am Anfang war der Weg...“ ausarbeitet und den Mitgliedern vorstellt. Die sind begeistert, auch von der Idee, die Straße quasi als roten Faden durch die Entwicklung der Stadt laufen zu lassen (erinnert auch an den seit Jahrzehnten gern gebrauchten Beinamen „Junge Stadt an alter Straße“).
In der Jahreshauptversammlung muss Schatzmeister Graw mitteilen, dass die Ausgaben erstmals die Einnahmen übersteigen, ein Novum in der 20-jährigen Vereinsgeschichte. In den Vorstand wird Hiltrud Markett als Beisitzerin gewählt, um wieder eine ungerade Teilnehmerzahl zu erreichen. So sieht es nun auch die überarbeitete Satzung vor, die redaktionell an veränderte Gegebenheiten angepasst wurde.
Am Kotten wird ein Nikolausmarkt veranstaltet, dazu kommt ein leibhaftiger Nikolaus im Gewand von Pfarrer Parr (Näheres über den Geistlichen erfährt man bei einer Stuckmann’schen Verzällchentour).
2011
Verabschiedung und Begrüßung
Verabschiedung von Anne Graw-Lipfert; hier dankt ihr die ehrenamtliche Mitarbeiterin Marlene Gries für die jahrelange Zusammenarbeit.Im Februar hat Anne Graw-Lipfert ihren letzten Arbeitstag im Dienste der Stadt, in deren Auftrag sie seit 1976 verantwortlich war für das Stadtarchiv und dann auch für das Museum. Folglich legt sie in der Mitgliederversammlung ihr Amt als 2. Vorsitzende und Geschäftsführerin nieder, ebenso wie ihr Mann Winfried als Schatzmeister des Museumsvereins. Für ihren Einsatz wird beiden herzlich gedankt. Sie haben das Museum aufgebaut und zu einer bedeutenden kulturellen Einrichtung in der Region werden lassen. Seit der Eröffnung des Hauses fanden 74 Ausstellungen statt. Die Mitgliederzahl hat inzwischen die 340er-Marke überschritten, die Zahl der Ehrenamtler ist auf 69 angewachsen.
Im Februar 2011 wird die Museumschefin Anne Graw- Lipfert (Mitte.) in den Ruhestand verabschiedet und Dr. Hella-Sabrina Lange (r.) übernimmt die Leitung von Archiv und Museum.Anne Graw-Lipfert wird haupt- und ehrenamtlich abgelöst von Dr. Hella-Sabrina Lange, für Winfried Graw kommt Guido Boes in den Vorstand. Eine offizielle Verabschiedung des Ehepaares Graw gibt es im April. Dabei werden beide noch einmal besonders gelobt und für ihre Verdienste um das Museum zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Graw-Lipfert und Lange erarbeiten gemeinsam zum Abschied und Einstand noch ein bedeutendes Projekt: Mithilfe ihrer Mitarbeiterin Katrin Kropp und zahlreicher Wissenschaftler diverser Disziplinen erforschen sie das Schicksal des „genagelten Schädels“, der 1964 bei Bauarbeiten an der Düsseldorfer Straße gefunden wurde und das Haupt einer Person ist, die um 1700 auf Langenfelder Stadtgebiet Opfer einer Hinrichtung wurde.
Rekonstruktion des genagelten Langenfelder Schädels.Der Schädel wird rekonstruiert und ist seit Februar 2011 im schaurig-schönen Schädelkabinett zu bestaunen (inzwischen sogar interaktiv: Seit 2017 kann der Schädel auch sprechen!).
Die posthistorische Sammlung Hufnagel wird von den Erben nach einer vielbeachteten Ausstellung in der Stadt-Sparkasse an den Förderverein übergeben. Die Sammlung umfasst 500 Dokumente aus der Zeit von 1773 bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts. Der Förderverein hat die Sammlung mit Sparkassenunterstützung von der Familie erworben.
Das Sommerfest findet gemäß dem Jahresmotto „Bayerische Spezialitäten“ als reine Vereinsfeier im Garten statt; das Ehrenamtleressen wird dagegen diesmal nicht im Museum, sondern in den Räumen der Kabarettgruppe „Blinklichter“ im Souterrain des Kulturzentrums serviert.
2012
Umbauarbeiten
Umbauarbeiten in der neuen Dauerausstellung (v. l.): Mitarbeiter Bedri Deliu, Marco Klatt, Eckart Heske und Alexandra Hinke.Wegen seiner großen Verdienste um den Verein, den er von der Gründung an zehn Jahre führte und für den er weitere zehn Jahre als Beisitzer aktiv war, wird Theo Schmies in der Jahreshauptversammlung am 28. März zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Er seinerseits bedankt sich für die erfolgreiche Zusammenarbeit und „für die Wertschätzung, die mir in der Vergangenheit und besonders heute zuteilwird“. Der aktive Vorstand wird von den Mitgliedern bestätigt, eine Änderung erfolgt allerdings wegen des Umzugs von Bärbel Kutscher und ihrer damit verbundenen Verabschiedung. Sie wird von Ulla Steingräber abgelöst.
Die stadtgeschichtliche Dauerausstellung wird wegen des beginnenden Umbaus geschlossen, der Betrieb der Wechselausstellungen geht weiter. In der neuen Stadtgeschichtsschau sollen auch bisher ausgeklammerte Themen aufgegriffen werden wie die beiden Weltkriege, die NS-Zeit, die Nachkriegs- und Folgezeit bis heute. Alle sind schon gespannt auf die multimediale und museumspädagogische Ausrichtung der Schau.
Postkutsche in der Remise beim Freiherr-vom-Stein-Haus.Sehenswert und gut besucht ist auch das zweite „Museum“ des Vereins, nämlich der Schalenschneiderkotten. In der Jahreshauptversammlung berichtet Wolfgang Jumpertz über die Führungen, die seit letztem Jahr ohne Anmeldung an jedem ersten Sonntag im Monat stattfinden (daneben auch angemeldete Gruppenführungen). Zwischen 10 und 30 Interessenten kommen dazu in den Volksgarten und lassen sich von Jumpertz die Werkstatt und die Arbeitsweise der Zulieferer von Schneidwaren erklären. Unterstützt wird er dabei seit einiger Zeit von Edgar Zimmermann und Dr. Helmut Endres.
Das Sommerfest findet diesmal auf dem Parkplatz hinter dem Haus statt, nach dem städtischen Jahresmotto Dänemark, das durch den Shanty-Chor aus Richrath und Speis und Trank aus Richtung Ostsee nähergebracht und veranschaulicht wird.
Im Gespräch sind „Auflösungserscheinungen“ des Vereins der Kutschen- und Fahrsportfreunde. Der Fördervereinsvorstand diskutiert mögliche Lösungen hinsichtlich der historischen Kutsche oder gar eine Fusion mit dem Verein. Es gibt aber kein Ergebnis.
2013
Neuer Besucherrekord
Plakat für das Sommerfest 2013Der Umbau der Dauerausstellung geht zügig voran, im Februar können Besucher in geführten Rundgängen schon einen ersten Blick hinter die Kulissen werfen.
Die 351 Mitglieder genehmigen 12.000 Euro für eine neue Beleuchtung in den Ausstellungsräumen im Erdgeschoss. Die Fotoausstellung von Dieter Nuhr führt zu einem Besucherrekord von 54 Personen pro Tag. Insgesamt verzeichnet das Haus im letzten Jahr bei fünf Ausstellungen 10.000 Besucher, wie Geschäftsführerin Dr. Lange in der Jahreshauptversammlung mitteilt. Reinmar Wilke wird bei seinen Studienreisen künftig unterstützt durch Regina Marx und Edgar Zimmermann.
Da das Museum seinen 15. und die Stadt ihren 65. Geburtstag feiern, gibt es diesmal ein größeres Sommerfest rund um das Haus und auf dem Parkplatz mit sechs Vereinen, die in und um das Museum angesiedelt sind. Diese Vereine (Bürger für Bürger, Lydton-Club, IG Hauptstraße, Förderverein Stadttheater, Kutschen- und Fahrsportfreunde und natürlich der Förderverein Stadtmuseum) tragen mit diversen Aktivitäten zur Abwechslung für die Besucher bei. Besonders attraktiv sind die Fahrten durch die Innenstadt, die die Kutschen- und Fahrsportfreunde sogar mit drei Gespannen anbieten.
Im Herbst gibt’s Ärger: Im Kulturausschuss und im Rat der Stadt wird die seitherige Bezeichnung „Kulturelles Forum“ infrage gestellt. Es könne (und es kam auch schon) zu Verwechslungen mit dem nahe gelegenen Kulturzentrum kommen, besonders bei auswärtigen Besuchern, und selbst Langenfeldern sei der Unterschied nicht immer klar. Die Bezeichnung „Kulturelles Forum“ habe sich seit 1998 nicht durchgesetzt, heißt es im Rathaus, was nicht nur Anne Graw-Lipfert auf die Palme treibt. Zahlreiche Artikel, Kommentare und Leserbriefe in den örtlichen Zeitungen befassen sich mit dem Thema. Entschieden wird im Stadtrat schließlich für das „Stadtmuseum im Freiherr-vom-Stein-Haus“. Unser Verein war von der Umbenennung nicht betroffen: Wir waren schon immer der „Förderverein Stadtmuseum“.
2014
Eröffnung neuer Dauerausstellung
Feierliche Eröffnung der neuen Dauerausstellung am 16.01.2014: Bürgermeister Frank Schneider, Referatsleiterin Dr. Hella-Sabrina Lange und Landrat Thomas Hendele.Die umgebaute Dauerausstellung wird am 16. Januar eröffnet, und die zahlreichen Besucher sind begeistert, wie man eine 2.000-jährige Stadtgeschichte auf so kleinem Raum so eindrucksvoll und umfangreich darstellen kann. Moderne Technik hilft dabei allerdings kräftig mit. Deutlich zum Ausdruck kommt auch der museumspädagogische Aspekt, der unter anderem durch „Ham vom Langen Feld“ dargestellt wird.
In der Hauptversammlung berichtet der Vorstand von 349 Mitgliedern und 57 Ehrenamtlichen (die meisten sind allerdings auch Mitglieder). Reinmar Wilke teilt mit, dass er das „Reisebüro“ nach 15 Jahren aus gesundheitlichen Gründen gerne ganz an die schon eingearbeiteten Regina Marx und Edgar Zimmermann abgeben möchte. Vorsitzender Stuckmann dankt ihm, weil er in den letzten 15 Jahren dazu beigetragen habe, das gesellschaftliche Zusammensein im Verein zu bereichern. Auch dank seiner Reiseaktivitäten zu interessanten Kulturstätten europaweit sei im Laufe der Jahre die Zahl der Fördermitglieder im Verein ständig gewachsen. Im Sommer dieses Jahres betreut er noch eine Gruppe auf einer Hurtigruten-Reise in die norwegischen Fjorde; im Mai 2016 stirbt Wilke im Alter von 81 Jahren.
Der Parkplatz und der Garten hinter dem Haus verwandeln sich zum Sommerfest nach dem Erfolg des Vorjahres erneut in eine Festmeile, die auch die befreundeten und benachbarten Vereine mitorganisieren. Witterungsbedingt ist aber der Besucheransturm nicht so groß wie erhofft.
2015
Et woor wie et woor
Thomas Schmies ist der erste 2. Vorsitzende des Vereins. Das Amt wurde in der Jahreshauptversammlung 2015 eingeführt. Zuvor lag es quasi in den Händen der Geschäftsführung, was sich im Laufe der Jahre aber als kompliziert erwiesen hat. Der Sohn des Gründungsvor- sitzenden Theo Schmies erklärte sich schließlich bereit, mit in den Vorstand einzuziehen.Für Regina Marx und Edgar Zimmermann wird es römisch: Sie starten mit Reisen nach Trier und Rom in ihr neues Hobby-Geschäft. Eine der beiden Tafeln der Sponsoren im Foyer wird um den Namen Klaus Zinecker erweitert, der in seinem Testament eine namhafte Summe für das Museum ausgewiesen hatte. In der Hauptversammlung spricht Schatzmeister Guido Boes von einer „hervorragenden finanziellen Situation“.
In das neu eingeführte Amt des 2. Vorsitzenden (es bestand davor in Personalunion mit der Geschäftsführung) wird Thomas Schmies gewählt, Sohn des Gründungs- und Ehrenvorsitzenden Theo Schmies. Dem geschäftsführenden Vorstand gehören damit an Vorsitzender Manfred Stuckmann, 2. Vorsitzender Thomas Schmies, Geschäftsführerin Dr. Hella-Sabrina Lange, Schatzmeister Guido Boes sowie die Beisitzer Ulla Steingräber, Hiltrud Markett, Elfie Steckel, Henk Veldhoen, Wolfgang Jumpertz sowie nun auch offiziell die Reiseleiter Regina Marx und Edgar Zimmermann. Im Übrigen gibt es neuerdings auch ein Serviceteam, das die Gäste bei Ausstellungseröffnungen oder ähnlichen Anlässen mit Getränken oder auch mit Häppchen versorgt. Es besteht im Kern aus Dr. Barbara Aßmann, Irene van Dassen und Hiltrud Markett.
Der Mundart-Gedichtband „Et woor wie et woor“ von Langenfelds einzigem Ehrenbürger Manfred Stuckmann erscheint im Dezember und ist für viele Alt-Langenfelder ein willkommenes Weihnachtsgeschenk an alle, die sich gerne an die „gute alte Zeit“ erinnern möchten. Der Verkaufserlös geht wie bei allen anderen Stuckmann-Arbeiten und -Aktivitäten an den Verein.
2016
Das Experiment
Zum Internationalen Museumstag im Mai wagt der Förderverein ein Experiment: Er bietet dazu ein Fest für die ganze Bevölkerung an und zieht vom Parkplatz hinter dem Haus auf die Straße vor das Haus. Attraktionen sind wieder die Kutschfahrten und (neu) ein Karussell für die Kleinen. Dem Fest schließen sich der Lydton-Club (Filme), Bürger für Bürger (Café) und die Künstlergruppe Falter an.
In der Jahreshauptversammlung läuft zunächst alles prima; unter anderem wird viel Geld bewilligt für die Sanierung des Trauzimmers im 1. Stock, schließlich ist die Finanzlage mehr als gut. Die Umgestaltung des Raumes soll von der Einrichtung bis zur Musikanlage, vom Fußboden bis zur Beleuchtung erfolgen. Alle Vorstandsberichte werden positiv aufgenommen. Doch dann steht das Ehepaar Graw (Ehrenmitglieder) auf und verlangt die Vorlage des noch gültigen oder ergänzten Nutzungsvertrages mit der Stadt, was nach lebhafter Diskussion vom Vorstand mit dem Hinweis auf die noch andauernde Überprüfung durch das Rechtsamt der Stadt abgelehnt wird.
Alle offiziellen Beratungspunkte verlaufen durchaus positiv. Frau Dr. Lange berichtet begeistert und begeisternd über die Ausstellungen und die Resonanz, die das Team der sechs städtischen Angestellten dadurch erfährt. Diese sechs Mitarbeiter teilen sich auf in zwei volle und zweieinhalb Teilzeitstellen im Museum, eine halbe Stelle in der Haustechnik sowie eine Stelle im Archiv.
2017
Der Langenfelder Schädel
Ein Teil des Team von Ehrenamtlichen am 30.08.2017.Nach dem Erfolg des Vorjahres wird zum Internationalen Museumstag im Mai erneut ein Fest von Vereins- und Museumsmitarbeitern veranstaltet, das in der Presse anschließend als „Kulturelles Volksfest“ gerühmt wird. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die Filme des Lydton-Clubs, aber auch die Führungen durch die Ausstellungen und die Museumswerkstatt für Kinder. Beim Verkauf von Büchern, stadtgeschichtlichen Heften und Ähnlichem sowie bei den Kutschfahrten werden rund 380 Euro eingenommen.
In der Jahreshauptversammlung wird wieder eine „äußerst zufriedenstellende Bilanz“ vorgelegt, sowohl was die Mitgliederentwicklung als auch die Finanzlage betrifft. Die „Blaue Reiter“-Ausstellung hat zu einem Besucherrekord von 4.000 Menschen geführt, im ganzen Jahr kamen über 11.000 Gäste ins Haus. Schatzmeister Guido Boes legt sein Amt aus beruflichen Gründen nieder. Als Nachfolger wird Dieter Scherer gewählt, der bisher neben Siegfried Baudewin schon als Kassenprüfer fungierte. In diese Position rückt Dirk Tillenburg nach. Im August stirbt ganz überraschend die zwei Jahre zuvor gewählte Reiseleiterin Regina Marx in jungen Jahren.
Ralph Gellwitzki lässt den genagelten Schädel mittels der Video-Holohead-Technik seit 2017 sprechen. Daneben Referatsleiterin Dr. Hella-Sabrina Lange.Im September gibt es eine (Welt-)Sensation: Der genagelte Schädel spricht! „Schön, dass Sie mich hier besuchen...“, sagt das Gesicht gegenüber in der Wand des Schädelkabinetts. Die junge blonde Frau im Kabinett des Stadtmuseums wendet ihren Kopf dem Besucher zu, egal, wohin er geht, und spricht über ihr rätselhaftes Leben und ihr schreckliches Ende. Der in der vermutlich weltweit neuen Video-Holohead-Technik von dem Computeranimateur Ralph Gellwitzki dargestellte Kopf erzählt, was diese junge Frau damals vielleicht erlebte, und zwar einmal als reiche Gattenmörderin, einmal als Kindsmörderin, einmal als Räuberbraut – und das jeweils in zwei Variationen. Die Texte stammen von Gellwitzki selbst, von Desirée Astor und Eckard Heske, dem früheren Vize-Museumsleiter. Der Fantasie wird freier Raum gelassen, auch weil bisher alle Nachforschungen von Historikern bis hin zu Kriminalisten keinen Aufschluss über die Frau, ihre Tat und ihren Tod gaben.
2018
70 Jahre Langenfeld
Zum Internationalen Museumstag wird wieder ein abwechslungsreiches Angebot von den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern für die Besucher vorbereitet: Ein Konzert in Zusammenarbeit mit der Musikschule, die offene Museumswerkstatt, Führungen im Haus, der Startschuss für die „L-fie-Points“ zum 70. Stadtgeburtstag, Kutschfahrten (diesmal vom Pferdesportverband), ein Verkaufsstand, Herzhaftes und Flüssiges für Leib und Seele, Verzällchentouren zum Kotten – aber alles fällt buchstäblich ins Wasser. Es regnet und gießt von der ersten Minute an ... Das Fest wird also ein finanzielles Fiasko, das sich im kommenden Jahr nicht wiederholen soll.
Zum 70. Stadtgeburtstag baut das Museum/Archiv eine umfangreiche Fotoausstellung über interessante Punkte im Stadtgebiet damals und heute auf, die in der Stadtbücherei gezeigt wird. Vereinsmitglieder sind in den Aufbau und die Darstellung der Ausstellung ebenso eingebunden wie bei der Herausgabe einer städtischen Festschrift zum 70-jährigen Jahrestag der Stadternennung („70 Jahre Stadt Langenfeld – Beiträge zur Langenfelder Stadtgeschichte“).
2019
Weltpremiere
Das neue Stellwandsystem in den Museumsräumen macht einiges her.Der im letzten Jahr gewählte neue Schatzmeister Dieter Scherer hat ein Problem: Er hat 20.000 Euro mehr ausgegeben als eingenommen, unter anderem für neue Stellwände, die aber von Besuchern ebenso wie von Ausstellern besonderes Lob erfahren. Museumschefin Dr. Lange sagt in der Jahreshauptversammlung wörtlich: „Mit dem neuen System der Stellwände, die der Förderverein spendiert hat, haben wir unser Haus von rechts auf links gewendet.“ Der finanzielle Mehraufwand ist aber laut Kassenprüfer Baudewin „mehr als in Ordnung“.
Es gab laut Jahreshauptversammlung 16 Kottenführungen und 10 Verzällchentouren. Der Verein zählt aktuell 353 Mitglieder, dazu die Rekordzahl mit rund 80 Ehrenamtlern, deren Einsatz mit 3.700 Stunden angegeben wird. Zum Abschluss der Versammlung gibt es noch eine interessante Diskussion: Ein Mitglied bedauert den aktuellen Abriss eines historischen Gebäudes aus dem Jahre 1760 an der Einmündung Bachstraße und fragt, ob der Verein nichts dagegen tun könne. Vorsitzender Stuckmann: „Als 80-jähriger Ureinwohner gehe ich bei solchen Dingen auf die Barrikaden, Langenfeld wird zur leblosen Stadt. Aber wenn die Häuser nicht unter Denkmalschutz stehen, ist nichts dagegen zu tun.“ Dr. Lange ergänzt: „Als Stadtarchiv dokumentieren wir die Stadtgeschichte und -entwicklung. Die Entscheidung über die Weitergabe von Informationen aber liegt beim Eigentümer.“
Am 10. August stirbt der 90-jährige Theo Schmies, der zehn Jahre lang Vorsitzender war seit Vereinsgründung im Jahre 1990 und danach noch zehn Jahre als Beisitzer mitarbeitete, bevor er das Amt niederlegte und zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Unter großer Anteilnahme von Vertretern des öffentlichen Lebens und der Vereinsmitglieder wird er zu Grabe getragen.
Im Spätsommer/Herbst ist Manfred Stuckmann mit einer Truppe von Statisten (Mitglieder des Heimatvereins Postalia) unterwegs auf Verzällchentour, begleitet von den Kameramännern Siegwald Koletzki und Klaus Bembennek. Der Film soll als DVD im nächsten Frühjahr erscheinen und zugunsten des Museums verkauft werden.
Nach den schlechten Erfahrungen im letzten Jahr mit dem Museumsfest im Mai (Dauerregen) entschließt sich der Vorstand diesmal, das Fest zusammenzulegen mit der Neanderland-Museumsnacht Ende September – in der Hoffnung, dass diesmal das Wetter mitspielt. Und es wird ganz französisch mit leckeren Häppchen und Musik, gemäß dem aktuellen Mottojahr.
Dass das Fest an sich sehr gut verläuft und sich eines großen Publikumszuspruchs erfreut, ist nicht das Verdienst des Vereins, sondern der hauptamtlichen Museumsmitarbeiter, die ein rundum gelungenes Programm präsentieren. Der Vorstand wird das zukünftige Vorgehen in Sachen Sommerfest detailliert prüfen.
2020
Die Zeit bleibt nicht stehen
Der Vorstand des Fördervereins Stadtmuseum im Jahr des 30jährigen Bestehens im Französischen Garten hinter dem Freiherr-vom-Stein-Haus. Auf dem Foto von links im Uhrzeigersinn: Museumsleiterin und Geschäftsführerin des Vereins, Dr. Hella-Sabrina Lange, 2. Vorsitzender Thomas Schmies, Ulla Steingräber, Henk Veldhoen, Schatzmeister Rolf-Dieter Scherer, Hiltrud Markett, Wolfgang Jumpertz, Elfie Steckel und Vorsitzender Manfred Stuckmann.Mit guten Vorsätzen startet das neue Jahr. Der Vorstand setzt diverse Termine fest und diskutiert Alternativen zum Fest, das doch besser wieder im Mai stattfinden soll, und natürlich auch die Art und Weise, wie der 30. Geburtstag des Fördervereins gefeiert werden soll – doch bis zur detaillierten Diskussion kommt es erst gar nicht: Mitte März hat ein Ereignis die ganze Welt erfasst, das die Menschen auch in Langenfeld fast komplett außer Gefecht setzt: Die Corona-Pandemie.
Das Museum selbst ist vom 22. März bis zum 11. Mai komplett geschlossen, die schon aufgebaute Ausstellung „Mit kühlem Blick“ wird danach erst gezeigt und bis zum 11. Oktober verlängert. Langsam öffnet sich das Haus wieder für die Bevölkerung. Der Vorstand darf auch mit Einschränkungen nach monatelanger Ruhepause ab Juli wieder tagen (mit mindestens 1,5 Metern Abstand zwischen den Personen und Mund-Nasen-Schutz), eine Sitzung findet als Videokonferenz statt. Aber der Schwung fehlt, und es gibt inzwischen ganz andere Themen oder Probleme als ein Vereinsgeburtstag. Wenn nicht noch kurzfristig etwas in die Quere kommt, dann findet am 20. September die „Weltpremiere“ des Verzällchen-Films im Rex-Kino statt.
Die frühere Vorsitzende Marlies Lüth, die zehn Jahre lang den Verein führte und auch zum Ehrenmitglied ernannt wurde, ist Mitte Mai einer schweren Krankheit erlegen. Die coronabedingten Umstände erlauben nur eine kleine Trauerfeier für die langjährige Vizebürgermeisterin der Stadt.
Trotz der Pandemie und als Ausgleich für all die ausgefallenen Veranstaltungen und besonders die gestrichene Jubiläumsfeier gibt es für die Mitglieder nun diese kleine bebilderte Festschrift, die mehr wurde als das, was es ursprünglich sein sollte: Das Protokoll eines Vereins.
Zusammengetragen von Elfie Steckel, Mitglied seit der Gründungs-Pressekonferenz im Rathaus, Pressesprecherin des Vereins seit der JHV am 13. Mai 2009.
"An besagter Pressekonferenz nahm ich teil als lokale Berichterstatterin. Das Vorhaben und das engagierte Auftreten der Gründungsväter beeindruckten mich so sehr, dass ich beschloss, diesem Verein beizutreten (das hatte ich noch nie gemacht).Auf meine Frage, ob es denn auch schon Anmeldeformulare gebe, herrschten Ratlosigkeit und Verwirrung. „So was haben wir noch nicht, wir haben uns doch erst gestern gegründet“, war die Antwort. Daraufhin riss ich einen Zettel aus meinem Notizblock und vermerkte darauf, dass ich mit sofortiger Wirkung meinen Beitritt erkläre. Unter allgemeinem Gelächter und Beifall wurde der Zettel zu den Akten genommen. Wo er geblieben ist, weiß rund 30 Jahre später keiner mehr zu sagen. Ich behaupte einfach, ich sei Vereinsmitglied Nr. 1. Ich habe dafür keinen Beweis mehr, aber es kann mir auch niemand widerlegen. In der Mitgliederdatei bin ich jedenfalls nach den Vorständen unter dem Datum 19. Dezember 1990 eingetragen." - Elfie Steckel.
Mit freundlicher Unterstützung der beiden hauptamtlichen Mitarbeiter von Stadtmuseum / Stadtarchiv, Alexandra Hinke und Marco Klatt.